Zurück zur Ziffernnote

Mit dem Regierungsprogramm von ÖVP und FPÖ soll auch in Österreich eine bildungspolitische Gegenreform eingeleitet werden. So sollen die Grundschulen dazu verpflichtet werden, schon ab der 1. Klasse Ziffernnoten zu vergeben und damit die Kinder an die Gesetzmäßigkeiten eines selektiven Schulsystems zu gewöhnen. Bisher stand es den Schulen frei, Ziffernnoten zu vergeben oder Lernentwicklungsgespräche durchzuführen - wobei sich 2/3 der Schulen für eine Abkehr von der Ziffernnote entschieden und damit gute Erfahrungen machten. Das soll jetzt alles anders werden. Denn die türkis-blaue Koalition will eine Tradition wieder aufleben lassen, unter der Österreichs Schüler seit 1599 zu leiden haben. Offensichtlich vertreten ÖVP und FPÖ die längst widerlegte Haltung, wonach mehr Druck automatisch zu besseren Leistungen führen müsse. Da passt es nur allzu ins Bild, dass für Kinder mit Migrationshintergrund eine Art Strafschule eingerichtet werden soll: Hier sollen sie so lange verbleiben, bis ihre Deutschkenntnisse dem Standard der Regelschule entsprechen. Dabei weiß die Wissenschaft doch längst: Schüler mit anderen kulturellen Wurzeln lernen Deutsch am besten, wenn man sie mit deutschsprachigen Kindern zusammen bringt  - und nicht,  indem man sie einfach wegsperrt. Damit wird das Prinzip der Inklusion von den Füßen auf den Kopf gestellt. Denn die neuen Strafschulen werden zwangsläufig zu exklusiven Einrichtungen, in denen es zu solchen Kontakten gar nicht erst kommen kann. Das gilt auch für besondere pädagogische Einrichtungen, in die die Schüler nach Abschluss ihrer Schulzeit zwangsweise eingewiesen werden sollen - um wenigstens im Rechnen, Lesen und Schreiben zum Durchschnitt der österreichischen Schüler aufzuschließen. Solche Maßnahmen zeigen, worum es den Herren in Blau und in Türkis wirklich geht: Die Kinder von Migranten sollen möglchst lange unter sich bleiben, weil sich so am wirkungsvollsten jeder soziale Aufstieg verhindern lässt. Und sie sollen durch die Praxis der Notenvergabe immer wieder neu erleben, dass sie nicht dazu gehören. Bildung ist eben noch lange keine Garantie für eine gelingende Integration - sie kann Integration auch verhindern. Und bei unseren österreichischen Nachbarn ist man dabei, diese diabolische Logik auch umzusetzen.      

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Jonas Lanig
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