Eine Schule für Gustav Landauer

Unter den Namenspatronen der Bayerischen Schulen finden sich nicht nur große Geister und Persönlichkeiten von historischer Tragweite. Es sind auch viele eher provinzielle Berühmtheiten darunter, deren Bedeutung sich nur den detailkundigen Kennern der Lokalgeschichte erschließt. Ein Name aber fehlt. Es ist der Name Gustav Landauers, der im Rahmen der Münchner Räterepublik mit dem Amt eines Volksbeauftragten für Aufklärung und damit mit den Aufgaben eines Kultusministers betraut war. Schon vorher hatte sich der Literat und Anarchist mit Fragen der schulischen Bildung beschäftigt. So geht es in seinem Essay "Selbstmord der Jugend" aus dem Jahr 1911 den Motiven von Schülern nach, die sich das Leben nehmen. Landauer macht dafür die engen und autoritären Strukturen der Schulen des Kaiserreichs verantwortlich. Im Amt des Volksbeauftragten schafft Landauer das Zölibat für weibliche Lehrkräfte ab und leitet den Aufbau von Gesamtschulen ein. Bleibende Verdienste aber erwirbt er sich durch die Abschaffung der Prügelstrafe. Diese wurde allerdings durch die Nazis und 1946 durch die CSU wieder eingeführt. Endgültig wurde sie erst 1969 aus den Bayerischen Klassenzimmern verbannt. Gustav Landauer gebührt der Verdienst, diese menscheverachtende Praxis als Erster beendet zu haben. Das sollte eigentlich ein hinreichender Anlass sein, eine Schule im Freistaat nach dem linken Politiker zu benennen. 100 Jahre nach ihrem Scheitern sollte mit dem Verdrängen und dem Totschweigen der Münchner Räterepublik eigentlich Schluss sein.  

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Jonas Lanig
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