Ethos & Kairos

Bildungspolitische Reformen sind notwendig, scheitern aber oft an gesellschaftlichen und kulturellen Widerständen. Das zeigt sich bei der Umsetzung der Inklusion, wo man inzwischen wieder den Rückwärtsgang angelegt hat. Und das zeigt sich bei der Aufweichung der Ziffernnote, zu der die Bundesländer aber kaum bereit sind. Es reicht offensichtlich nicht, dass solche Reformen einer überzeugenden Vision folgen und dass sie ethisch fundiert sind. Damit sich dafür politische Mehrheiten organisieren lassen, muss jeweils die Zeit reif sein. Erst wenn ein solcher Kairos gegeben ist, haben auch strukturverändernde Reformprojekte eine Chance. Das Projekt einer gemeinsamen Schule für alle kann isch darauf berufen, dass dadurch die Gleichwertigkeit der Bildungsgänge institutionell abgesichert wird und ein hohes Maß an Bildungsgerechtigkeit erreicht wird. Die ethische Fundierung dieses Projekts steht also. Gleichzeitig wäre die Zeit reif, um das bestehende selektive Schulsystem zu überwinden. Schließlich befürchten immer mehr Menschen eine eine fortschreitende Spaltung der Gesellschaft, die tiefgreifende Abstiegsängste nach sich zieht. Deshalb bedarf es eines Schulsystems, das diese Spaltung nicht noch weiter befördert, sondern diese konterkariert. Damit scheint auch der notwendige Kairos gegeben zu sein. Noch fehlt allerdings der politische Akteur, der den Mut hätte, dieses Zusammentreffen von Ethos und Kairos aufzugreifen und eine Schule für alle auf den Weg zu bringen. Ethos und Kairos mögen stimmen - wenn jetzt aber niemand die Sache in die Hand nimmt, dürfte alles vergebens sein.

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Jonas Lanig
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