Alles unter einem Dach

Wenige Jahre nach dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur UN-Behindertenrechtskonvention befindet sich die Inklusion schon wieder auf dem Rückzug. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben beschlossen, es bei der Umsetzung der UN-Konvention langsamer angehen zu lassen. Und der Kultusminister von Sachsen-Anhalt feiert im aktuellen SPIEGEL die Förderschule als ein ebenso notwendiges wie erhaltenswertes pädagogisches Angebot. Dabei sind sich alle Experten darin einig, dass die Umsetzung der pädagogischen Inklusion letztlich das Ende der Förderschulen bedeutet. Damit fallen die verantwortlichen Bildungspolitiker hinter die Praxis des Kaiserreichs zurück. Damals entwickelte der Mannheimer Stadtschulrat Joseph Anton Sickinger das Modell einer Volksschule, in die auch die Förder- wie die Hilfsklassen integriert waren und durch die alle eigenständigen Hilfsschulen überflüssig wurden. Alles unter einem Dach - unter diesem Motto schuf Sickinger eine Schule, die sich allen Kindern öffnete und die schon deshalb ein hohes Maß an Durchlässigkeit garantierte. Sein 1901 eingeführtes Mannheimer Modell wurde noch im Kaiserreich von 150 Städten übernommen und erst von den Nazis wieder verboten. Wer heute am Prinzip eigenständiger Förderschulen festhält und deren Existenz auch in Zukunft gewährleistet, bleibt damit hinter den Standards zurück, die an vielen Schulstandorten im Kaiserreich galten. Dieser Rückfall in die Vorvergangenheit zeugt von den Beharrungskräften unseres Schulsystem - und ist kein Beitrag zu einer zukunftsfähigen Bildungsorganisation.

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Jonas Lanig
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